18 bis 21. August 2018

 

Samstag, 18. August 2018

Die Nacht auf dem Wohnmobilstellplatz in Bad Berka war ruhig und vom Gewitter in der Nacht bekamen wir nur ein paar Tropfen Regen und ordentliches Blitzen mit. Im Radio hörten wir am nächsten Morgen, dass die Region, in der wir uns befanden, ordentlich vom Unwetter getroffen worden wäre mit vielen umgestürzten Bäumen, überschwemmten Kellern und verschlammten Straßen.

Wir hatten wohl Glück und blieben unversehrt, so auch die Hühner, die Marc morgens direkt am Stellplatz füttern durfte.

In Bad Berka plünderten wir noch einen Bäcker – gerade auf dem Land haben wir bisher nur Bäcker gefunden, die noch selber backen und ein super leckeres Sortiment haben, vor allem an süßen Leckereien. Im Rundlingsdorf Tiefengruben drehten wir noch eine Runde mit dem Bus und frühstückten auf dem Weg nach Weimar.

In Weimar fanden wir sehr zentral an der Bauhaus-Universität einen Parkplatz und schlenderten los Richtung Zentrum.

Wir waren begeistert von dieser Stadt – alles gut hergerichtet, wunderschöne Gebäude, die Leute zwar hip, aber eher alternativ, viele leckere Restaurants und eine ganz entspannte Atmosphäre.

Im Schlosspark lagen dann auch einige Äste vom nächtlichen Sturm am Boden, in Richtung Ilmufer hatte der Starkregen Schlamm angeschwemmt und ein paar Wege waren deswegen gesperrt.

Bevor wir uns an die Weiterfahrt machten, legten wir noch einen Stopp am Wohnmobilstellplatz von Weimar ein, den wir beim Schlendern entdeckt hatten, um unser Abwasser zu entsorgen.

Unser nächstes Ziel war die Gedenkstätte Buchenwald. Im Dritten Reich hatten die Nationalsozialisten hier eins der größten Konzentrationslager in Deutschland betrieben, hunderttausende Menschen gefangen gehalten und zehntausende der Inhaftierten getötet.

Über der gesamten Anlage lag eine drückende Stimmung und keiner der Besucher traute sich laut zu reden.


Diese Gedenkstätte soll uns allen eine Lehre sein, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf. In der heutigen Zeit werden aber politische Strömungen, die eine Rückkehr zu genau so einem unterdrückerischen, menschen-verachtenden System fordern, immer stärker. Und da darf man nicht ruhig sein.

„Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit.“
(Kofi Annan, 1938 – 2018)

Nie wieder Faschismus!

Wenn jetzt wieder die Kommentare à la „Schuster bleib bei Deinen Leisten! Schreibt über Camping und nicht über Politik.“ kommen, dann bleibt uns dazu nur zu sagen, dass uns solche Kommentar herzlich egal sind. Wir treten trotzdem weiterhin für eine gesunde, weltoffene Demokratie ein. Und gerade als mit dem Wohnmobil reisender Mensch sollte man befreit von Vorurteilen und Diskriminierungsabsichten die Welt erkunden und erkennen, dass deswegen Widerstand gegen diese rechten Tendenzen essentiell ist.


 

Etwas einsilbig machten wir uns auf die Weiterfahrt in Richtung Leipzig. Der Motor von WHATABUS machte Zicken, die Motorkontrolllampe ging an und einmal stieg auch der Turbolader aus – Mist! Mit unserem ODB-Leser konnten wir den Fehler P0100 auslesen („(MAF) Masse Luftdurchlass oder (VAF) Volume Luftdurchlasssensor – Stromkreis Störung“) und auch löschen. Aber leider kam der Fehler immer wieder – da müssen wir wohl eine Werkstatt aufsuchen. Oder hat zufällig jemand eine Vermutung, was die Ursache ist und wie man das reparieren kann?

Unterwegs kamen wir an Naumburg an der Saale vorbei. Die Stadt sah im Vorbeifahren wirklich wunderschön aus, trotzdem fuhren wir weiter – wir kommen nicht dazu uns alles anzuschauen und man braucht ja auch noch was fürs nächste Mal.

Am Rand von Leipzig waren wir abends auf einer Party eingeladen, wo wir auch einen guten Stellplatz für die Nacht hatten.

Sonntag, 19. August 2018

Etwas übermüdet und leicht verkatert von der Party brauchten wir morgens ein bisschen, um in die Gänge zu kommen. In einer Seitenstraße des Innenstadtrings von Leipzig fanden wir einen Parkplatz, direkt an einem vietnamesischen Restaurant. Das Essen war sehr lecker, der Tag somit gerettet.

Die Innenstadt von Leipzig erstrahlt in frischem Glanz. Neben alten, renovierten Gebäuden gibt es auch viele moderne Neubauten.

Besonders gut gefiel uns die Nikolaikirche – die Gestaltung des Innenraums ist der Hammer (leider durfte man dort nicht fotografieren).

Ansonsten fanden wir die Innenstadt von Leipzig, wahrscheinlich wegen der modernen Läden und angesagten Restaurants (Burger etc.) recht gesichtslos – es hätte auch jeder andere deutsche Großstadt sein können.

Vorbei am Stadtteil Connewitz fuhren wir noch zum beeindruckenden Völkerschlachtdenkmal.

Unser nächstes Ziel sollte die Region von Dessau sein. Bei einer schnellen Suche in den Stellplatz-Apps entdeckten wir einen kleinen günstigen Campingplatz in Löbnitz, nicht weit von Bitterfeld. Den steuerten wir an, bekamen dort einen schattigen Platz unter einer großen Weide und beschlossen, hier für ein paar Tage unser Basislager aufzuschlagen. Außer ein paar Wohnwägen von Dauercampern waren wir die einzigen Gäste.

Montag, 20. August 2018

Dank des schattenspendenen Baums wurde es morgens nicht so schnell heiß im Bus und wir konnten so gut ausgeschlafen in die neue Woche starten. Ab dem Vormittag arbeiteten wir unter unserem Sonnensegel.

Unser Frühstück vergaßen wir vor lauter Arbeit irgendwie und kochten uns am späten Nachmittag ein paar türkische Nudeln (Manti) mit Tomatensoße.

Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg ins Dorf zum Einkaufen. Der lokale Konsum hat eine gute Auswahl, wir werden also nicht verhungern in den nächsten Tagen in Löbnitz.

Unterwegs fanden wir auch eine KFZ-Werkstatt, die zusagte, sich am nächsten Tag mal unsere Motorprobleme anzuschauen.

So ging ein bewegungstechnischer fauler, arbeitstechnisch dafür um so erfüllterer Tag für uns zu Ende.

Dienstag, 21. August 2018

Nach dem Aufstehen schmierte Selena uns Stullen für eine Radtour. Wir brachten den Bus zur Werkstatt in Löbnitz und radelten los in Richtung Ferropolis.

Die Strecke war mit den Rädern äußerst abwechslungsreich, wenn auch eher flach: asphaltierte Radwege, Feldwege, sandige und grobkiesige Passagen und auch ein paar kurze, steile Anstiege.

Ferropolis – die Stadt aus Eisen – wurde vor gut 20 Jahren im ehemaligen Braunkohle-Abbau Golpa-Nord bei Gräfenheinichen gegründet. Die Grube wurde geflutet und auf einer Halbinsel installierte man fünf riesige Tagebau-Bagger.

Hier finden jetzt regelmäßig Veranstaltungen und Festivals statt. Ich hatte in meinem Landschaftsarchitektur-Studium in den 90er Jahren mal ein Projekt an diesem Tagebau und konnte damals nicht an der Exkursion teilnehmen. Deswegen höchste Zeit, das jetzt endlich nachzuholen.

Wir parkten die Fahrräder nach gut 40 km Tour an der Kasse und erkundeten begeistert das Gelände. Gerade von den riesigen Baggern waren wir fasziniert.

Und in der ehemaligen Schaltwarte gibt es mittlerweile sogar ein Standesamt – nette Idee!

Auf dem Rückweg schauten wir uns noch die Kolonie in Zschornewitz an. Beim Weiterfahren verschätzte ich mich an einem Bordstein. Einen schlimmen Sturz konnte ich gerade noch verhindern, aber leider war das Schaltauge an der hinteren Schaltung gebrochen und ich hatte eine ordentliche Prellung in der Kniekehle. Weiterfahren ging mit meinem Rad nicht mehr. Selena radelte die noch knapp 22 km alleine zurück nach Löbnitz in die KFZ-Werkstatt, um mich dann abzuholen. Ich ruhte mich erst mal beim Bäcker mit Mohnschnitte aus und suchte mir dann am Imbiss einen Schattenplatz.

Selena gab richtig Gas und holte mich gut anderthalb Stunden später am Imbiss ab, wo wir endlich mal eine Thüringer Rostbratwurst essen konnten – super lecker! So wurde die zweite Panne etwas leichter erträglich.

In der KFZ-Werkstatt war der Fehler noch mal ausgelesen worden. Der Luftmassenmesser sollte getauscht werden, was knapp 300 € kosten würde. Ok, wir haben keine Wahl, probieren wir es damit, auch wenn der Overlandkadett als kundiger Telefonjoker schon meinte, dass das höchstwahrscheinlich nicht die Lösung für das Problem werden würde.

Am Abend bauten wir noch unser Sonnensegel als Stand-Alone-Lösung auf, um am Mittwoch auf dem Campingplatz arbeiten zu können, so lange der Bus in die Werkstatt musste.

 

 

2 Kommentare

  1. Guten Morgen,

    zwei Punkte möchte ich gerne kommentieren:

    1. Ja bitte, äußert euch auch weiterhin politisch. Es wird jede(r) gebraucht, um die weltoffene Demokratie und auch die EU zu verteidigen. Gerade für Wohnmobil-)Reisende, die die Freiheit zu Reisen und zu Leben erleben, ist es geradezu eine Verpflichtung.
    Als wir vor einigen Jahren in Verdun und später im Bereich der Somme in Nordfrankreich waren, spürte ich überdeutlich, welches sinnlose Grauen die Menschen im 1. WK (und später im 2. WK) erlebt haben müssen und welch reichen Schatz wir mit dem freien Zusammenleben nach dem 2. WK errungen haben.

    2. Leipzig. Vor ~ 2 Jahren hatte ich nach einem beruflichen Termin in Leipzig einen halben Tag Zeit für die Leipziger Innenstadt. Ich habe mich danach frustriert in ein Straßencafe gesetzt und genau dasselbe gespürt wie du es geschrieben hast.

    • Hallo Raymond,
      danke für Deinen Kommentar.
      Es freut uns sehr, dass Du da unserer Meinung bist. Es darf auch einfach kein Vergessen gaben. Und #FCKNZS – immer und überall!
      Zumindest hat das gute asiatische Essen und das Eis geschmeckt in Leipzig 🙂
      Liebe Grüße aus der letzten Ecke von Sachsen,
      Marc und Selena

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